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Forschungsbericht zur Mengenentwicklung

Berlin. Der Forschungsbericht zur Mengenentwicklung in den Krankenhäusern liegt vor und lässt verschiedene Interpretationen zu. Die Gutachter sollten Gründe für den Anstieg der Fallzahlen in den Kliniken herausfinden. Diese waren von 2007 bis 2012 von 17,2 auf 18,6 Mio. Fälle angestiegen.
„Die in den Jahren 2007 bis 2012 beobachtete Fallzahlentwicklung könnte durch eine Vielzahl von Einflüssen verursacht sein, die sich auf Veränderungen der Nachfrage nach Gesundheitsleistungen sowie auf Veränderungen des Angebotes von Gesundheitsleistungen zurückführen lassen“, schreiben die Autoren Jonas Schreyögg vom Hamburg Center for Health Economics und Reinhard Busse von der Technischen Universität Berlin. Es handle sich um ein „komplexes Geflecht“ von Ursachen auf der Nachfrage- wie Angebotsseite.


Herausgefunden haben sie allerdings, dass zwischen der Veränderung der DRG-Gewichte und den Fallzahlen ein Zusammenhang besteht. Wenn sich das DRG-Gewicht um ein Prozent erhöhe, stiegen die Fallzahlen im Durchschnitt jährlich um 0,2 Prozent. Wenn das DRG-Gewicht um ein Prozent sinke, nehme auch die Zahl der Fälle um 0,2 Prozent ab. Ob und in welchen Fällen das aus medizinischen Gründen erfolgte, würden die Analysen aber nicht zeigen.
Dass die Mortalität erheblichen Einfluss auf die Fallzahlen hat, konnten die Gutachter bestätigen. So haben sie u.a. den Zusammenhang von Veränderungen der Mortalität, Morbidität und Bevölkerung mit den Fallzahlen in den Landkreisen gefunden. Rund die Hälfte der Fallzahlsteigerungen bezog sich auf Krankheiten des Herzkreislauf- und des Muskel-Skelett-Systems.
Die Autoren stellten fest, dass die DRG-Vergütung ungewollte Anreize verursache und daher künftig stärker an Diagnosen orientiert sein sollte. Sie befürworteten auch ein verbindliches Zweitmeinungsverfahren für bestimmte planbare Behandlungen.
Während die Krankenkassen sich in ihrer Meinung eines Zusammenhangs von Preis und Menge bestätigt sehen, sieht die Deutsche Krankenhausgesellschaft keine empirische Grundlage für diese Behauptung. „Das Gutachten sollte zum Anlass genommen werden, diese Diskussion endgültig zu beenden", erklärte der DKG-Präsident, Alfred Dänzer, anlässlich der Veröffentlichung des Forschungsberichtes. Es bestätige, dass Morbidität und Mortalität maßgeblich für die Leistungsentwicklung der Kliniken seien und dass der demographische Effekt, weit mehr als bisher von den Krankenkassen angenommen, die Leistungsentwicklung bestimme. Zentrale Einflussgrößen wie der medizinische Fortschritt, Erwartungen der Patienten, veränderte Lebensgewohnheiten oder Wechselwirkungen zur ambulanten Versorgung hätten dabei noch nicht einmal in die Analyse einbezogen werden können. Sie seien jedoch ebenfalls maßgebliche Bestimmungsgrößen der Leistungsentwicklung. Dem gegenüber hätten die Gutachter trotz intensiver Analysen keine Evidenz für die Erbringung nicht notwendiger medizinischer Leistungen aus ökonomischen Gründen feststellen können.
Zwar hätten die Gutachter festgestellt, so Dänzer, dass bei einem Anstieg der Bewertungen von Fallpauschalen Leistungszuwächse zu beobachten seien. Daraus könne aber nicht abgeleitet werden, dass die Kliniken nicht notwendige Behandlungen erbringen würden. Denn wenn durch die jährlich sattfindenden Kalkulationen Leistungen höher bewertet würden, entspräche dies den höheren Kosten in den Kliniken und sage nichts über Ursache und Wirkung aus. So liege es in der Natur der Sache, dass neue, bessere und häufig kostenintensivere OP- oder Krebsbehandlungsmethoden von Jahr zu Jahr zu Fallzahlsteigerungen führten.
Die Gutachter fassten selber zusammen, zitierte Dänzer: "Aus den Ergebnissen dieser Studie kann jedoch nicht ohne Einschränkungen die Schlussfolgerung gezogen werden, dass ein Teil der Veränderungen der Fallzahlen hätte vermieden werden müssen."
Konsequenterweise würden die Gutachter auch keine konkreten Fallpauschalen benennen, bei denen sie ökonomisch induzierte Leistungssteigerungen ermittelt hätten. Vielmehr wiesen sie darauf hin, dass der Fallzahlanstieg auch konservative Leistungen und insbesondere auch die Notfälle beträfe, wobei sich der Leistungszuwachs relativ zufällig über alle Krankenhäuser und Krankenhausgrößenklassen verteile.
Grundsätzlich sei festzustellen, dass der Fallzahlanstieg in den Jahren 2007 bis 2012 mit durchschnittlich 1,5 Prozent im Rahmen der langjährigen Entwicklung liege und keine auffälligen Steigerungen festzustellen seien.





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