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Barmer GEK Heil- und Hilfsmittelreport

Berlin. In Deutschland leiden Patienten unnötig lange an chronischen Wunden. Zu diesem Schluss kommt der heute Heil- und Hilfsmittelreport der Barmer GEK. Darin war die Versorgung von chronischen Wunden am Unterschenkel in den Jahren 2009 bis 2012 analysiert worden. Demnach litten 2012 bundesweit rund 210.000 Menschen akut an derartigen Geschwüren. Das entspricht 0,26 Prozent der Bevölkerung und ist deutlich mehr als bisherige Studien zeigen. Jährlich kommen rund 50.000 neue Erkrankungen hinzu. Insgesamt leiden nach Schätzungen von Experten zwei Millionen Menschen in Deutschland an chronischen Wunden, zu denen unter anderem auch Dekubitus oder diabetisch bedingte Geschwüre am Fuß gehören.

„Wir können anhand unserer Daten sehen, dass es eine gravierende Unterversorgung bei Menschen gibt, die an venös bedingten Unterschenkelgeschwüren leiden. Nur knapp 40 Prozent bekommen eine Kompressionstherapie. Deren Unterlassung ist nach Meinung der Fachleute ein Behandlungsfehler“, betonte Dr. Rolf-Ulrich Schlenker, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Barmer GEK, bei der Vorstellung des Reports. Bis auf einige Ausnahmen könnten Patienten immer von dieser Behandlung profitieren, sie müsse jedoch verordnet und fachgerecht umgesetzt werden.

Schlenker machte auf teilweise sehr hohe Steigerungsraten bei den Heil- und Hilfsmitteln aufmerksam. In den ersten sechs Monaten dieses Jahres verzeichneten die Krankenkassen bei Heilmitteln, also etwa der Physiotherapie oder Logopädie, Zuwächse von 7,1 Prozent. Bei der Barmer GEK waren die Ausgaben in diesem Sektor um 4,1 Prozent gestiegen. Bei den Hilfsmitteln waren die Ausgaben im ersten Halbjahr 2014 bei allen Kassen um 9,5 Prozent und bei der Barmer GEK sogar um 10,8 Prozent nach oben geschnellt. „In dem extrem unübersichtlichen Markt der Medizinprodukte brauchen wir vor allem eine Nutzenbewertung“,so Schlenker.

Studienautor Prof. Dr. Gerd Glaeske vom Zentrum für Sozialpolitik der Universität Bremen verwies auf den langjährigen Trend steigender Ausgaben bei Heil- und Hilfsmitteln. So seien die Ausgabenzuwächse der gesetzlichen Krankenversicherung im Jahr 2013 zwar recht moderat geblieben. „In den Jahren von 2007 bis 2013 sind sie bei den Heilmitteln jedoch insgesamt um 34,5 Prozent, von 3,91 Milliarden auf nun 5,26 Milliarden Euro gestiegen und bei den Hilfsmitteln von 5,52 Milliarden auf 6,80 Milliarden Euro. Das entspricht einem Plus um 23,2 Prozent“, rechnete Glaeske vor. Neben der Nutzen- und Kosten-Nutzen-Bewertung gebe es, so der Bremer Versorgungsforscher, begleitende Möglichkeiten, die Qualität und Transparenz der Hilfsmittelversorgung in Deutschland zu verbessern. Dazu gehörten höhere qualitative Anforderungen an Hilfsmittel und Medizinprodukte oder eine andere Funktion des jetzigen Hilfsmittelverzeichnisses. Es könne zum Beispiel nur solche Produkte führen, die einem hohen Stand der Technik entsprächen und Studien zum Patientennutzen vorweisen könnten.

Glaeske verwies darauf, dass die podologische Versorgung von Diabetikern in Deutschland zu wünschen übrig lasse. Drei Viertel aller Risikopatienten werde nicht mit medizinischer Fußpflege versorgt. „Vor allem bei den über 70-Jährigen wächst der Anteil der nicht Versorgten. Das ist umso erstaunlicher, als es sich um Teilnehmer an Disease Management Programmen handelt, welche zwingend eine medizinische Fußuntersuchung und podologische Versorgung vorsehen“, so Glaeske.





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