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BWKG-Indikator 1/2015: Zukunftserwartungen so schlecht wie nie

Stuttgart. „Die wirtschaftliche Lage der Gesundheitseinrichtungen im Land ist unverändert schlecht.“ Das erklärte der Vorstandsvorsitzende der Baden-Württembergischen Krankenhausgesellschaft (BWKG), Thomas Reumann, mit Blick auf die Ergebnisse des aktuellen BWKG-Indikators (1/2015). Danach wiesen 45,4 Prozent der Krankenhäuser, 40,8 Prozent der Reha-Einrichtungen und 39,1 Prozent der Pflegeeinrichtungen im Jahr 2014 ein Defizit aus.

Aufsetzend auf diesem hohen Defizitsockel erwarten 70 Prozent der Krankenhäuser, dass sich ihre wirtschaftliche Lage in den kommenden zwölf Monaten weiter verschlechtern wird. So schlecht waren die Zukunftserwartungen der Krankenhäuser noch nie. „Die Stimmung ist dramatisch schlecht“, macht der Vorstandsvorsitzende, der auch Reutlinger Landrat ist, deutlich. Denn die Krankenhäuser würden von verschiedenen Seiten in die Zange genommen. Als Beispiele hierfür nannte er die niedrigen Krankenhauspreise für 2015, die enttäuschenden Planungen für eine zwischen Bund und Ländern abgestimmte Krankenhausreform und den bestehenden Stau bei der Investitionsförderung.
„Wir sehen uns in der Verantwortung, immer wieder nach Möglichkeiten zur Steigerung der Qualität der Patientenversorgung und –sicherheit zu suchen. Wenn es aber nicht gelingt, das Finanzierungssystem so zu ändern, dass die Lohnerhöhungen für die Krankenschwester und den Krankenpfleger am Patientenbett finanziert werden, laufen diese Bemühungen ins Leere“, so Reumann. Die Politik müsse hier schnell handeln. Die bisherigen Pläne der „Bund-Länder-Arbeitsgruppe“ seien eine große Enttäuschung für die Kliniken.
Die aktuellen gesetzlichen Rahmenbedingungen bewirken, dass der Preis, mit dem die Krankenhausleistungen im Jahr 2015 abgerechnet werden, deutlich niedriger ist als notwendig. „Die gesetzlichen Vorgaben führen dazu, dass der Landesbasisfallwert nur um ein Prozent steigt, obwohl die Personalkosten gleichzeitig um über drei Prozent zulegen“, so Reumann.
Ein Armutszeugnis sei, dass Bund und Länder in den gemeinsam vorgelegten Gesetzesplänen keine verlässliche Finanzierung der Investitionskosten vorgesehen hätten. Zwar hätte die grün-rote Landesregierung die Investitionsmittel in den vergangenen Jahren deutlich aufgestockt. Dennoch gäbe es nach wie vor einen Investitionsstau, gerade auch bei der Pauschalförderung. Dies haben in der BWKG-Indikator-Umfrage 90 Prozent der Krankenhausgeschäftsführer bestätigt. Den Krankenhäusern fehlten daher Mittel für die Beschaffung und die Modernisierung der immer wichtiger werdenden IT-Infrastruktur und für medizinische Geräte, aber auch für die Sanierung von Patientenzimmern oder die Beschaffung von modernen Krankenhausbetten.
Auch die wirtschaftliche Situation der Reha-Einrichtungen gestalte sich nach wie vor problematisch. 40,8 Prozent der Einrichtungen hätten das Jahr 2014 mit roten Zahlen abgeschlossen. Die Politik müsse das Thema Rehabilitation endlich ernst nehmen und aktiv werden, so Matthias Einwag, der Hauptgeschäftsführer der BWKG. Hier setze die landesweite BWKG-Reha-Kampagne mit dem Motto „Umsonst ist keine Reha.“ an. (www.umsonst-ist-keine-reha.de).
Bei den geriatrischen Reha-Einrichtungen schrieben sogar 57 Prozent 2014 rote Zahlen. Die finanzielle Situation der geriatrischen Reha-Einrichtungen habe sich damit auf weiter schlechtem Niveau leicht verbessert.
Von den Pflegeeinrichtungen haben 39,1 Prozent das Jahr 2014 mit roten Zahlen abgeschlossen. Sie haben außerdem große Schwierigkeiten, Pflegefachkräfte zu finden. Es sei alarmierend, wenn 74,9 Prozent hier Schwierigkeiten hätten. Besonders problematisch sei, dass jede zweite Pflegeeinrichtung Schwierigkeiten dabei melde, Altenpflegeschüler zu finden. Hier müssten dringend die Rahmenbedingungen geändert werden.
Für den BWKG-INDIKATOR befragt die BWKG die Geschäftsführer der Mitgliedseinrichtungen (Krankenhäuser, Rehabilitations- und Pflegeeinrichtungen in Baden-Württemberg) halbjährlich zu ihrer Einschätzung der wirtschaftlichen Situation und der Arbeitsmarktentwicklung.





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