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Gassen: „Portalpraxen sind sinnvoll, aber nicht an jeder Klinik“

Berlin. „Die Notfallversorgung in Deutschland ist gut, aber wir können sie mit gemeinsamen ambulant-stationären Strukturen noch weiter optimieren. Die Kassenärztlichen Vereinigungen sind mit gutem Beispiel vorangegangen und haben erfolgreich schon fast 650 Bereitschaftsdienstpraxen eingerichtet, die direkt an die Notaufnahmen von Kliniken angegliedert sind, so genannte Portalpraxen“, betonte Dr. Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), in Berlin.

Im Auftrag der KBV hat das RWI – Leibnitz-Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) in einem Gutachten die Notfallversorgung in Deutschland auswertet und den sich daraus ergebenden Bedarf an ortsgebundenen Notfall-Versorgungszentren im Land im Rahmen einer Simulationsmodellierung veranschaulicht.

Das Gutachten geht davon aus, dass jeder Einwohner bundesweit einen Anfahrtsweg von maximal 30 Minuten bis zum nächsten Notfallversorger haben sollte. Nach dem Modell „Grüne Wiese“, das heißt bei freier Verortung der Standorte, wären dem Simulationsmodell zufolge bundesweit 337 Anlaufstellen dafür ausreichend, nach dem Modell „reale Standorte“, bei dem die ambulanten Notfallzentren an bereits bestehende Kliniken mit Notfallversorgung angegliedert würden, könnten sogar 99,6 Prozent aller Einwohner Deutschlands innerhalb eines Radius von maximal 30 Minuten Fahrzeit versorgt werden. Dafür wären bundesweit 736 Zentren nötig, die sich mit der Notaufnahme einer Klinik einen gemeinsamen Tresen teilen. Die durchschnittliche Anfahrtszeit würde in diesem Szenario 17 Minuten betragen. Derzeit nehmen insgesamt 1.456 Krankenhäuser an der Notfallversorgung teil. „Diese Zahlen verdeutlichen, dass wir nicht an jeder Klinik eine Portalpraxis brauchen. Das wäre vollkommen unwirtschaftlich“, kommentierte der KBV-Chef. So ergebe das Gutachten auch, dass Patienten in bestimmten Regionen mehrere Anlaufstellen zur Auswahl hätten, wenn es an jeder Klinik eine Portalpraxis gäbe. Das sei versorgungstechnisch sowie im Hinblick auf einen vernünftigen Ressourceneinsatz nicht sinnvoll, erklärte Gassen.

Der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der KBV, Dr. Stephan Hofmeister, wies noch auf einen weiteren Aspekt hin: „Selbst wenn ausreichend Finanzmittel vorhanden wären, könnte man nicht an jeder Klinik eine Portalpraxis einrichten. Für so viele Standorte gibt es nicht genügend medizinisches Fachpersonal – das gilt für Ärzte genauso wie für medizinische Fachangestellte.“

Hofmeister betonte außerdem, dass neben einer optimalen Aufstellung der Notfallversorgungsstandorte auch eine bessere Steuerung der Patienten nötig sei. „Wir nehmen die Bürgerinnen und Bürger an, wie sie sind. Sie suchen sich ihren Weg in das Versorgungssystem und gehen in die Notaufnahme auch dann, wenn es nicht notwendig ist, teilweise aus Unwissenheit oder aus einer Komforthaltung heraus. Doch in vielen Fällen handelt es sich lediglich um einen subjektiv empfundenen dringenden Behandlungsbedarf“, so der KBV-Vize.

Deshalb müsse das Informationsangebot über die verschiedenen Versorgungsebenen ausgebaut bauen und die Bürgerinnen und Bürger mit Hilfe multimedialer Angebote dazu befähigt werden, sich die passende Anlaufstelle auszusuchen.   Unterstützend sollte eine einheitliche Steuerung der Patienten in die für sie richtige Versorgungsebene stattfinden, also eine Ersteinschätzung (Triagierung) idealerweise über ein telefonisches Erstgespräch“. Die telefonische Triagierung solle künftig über die Bereitschaftsdienst-Rufnummer 116117 stattfinden.





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