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Krankenhaus Rating Report 2018: Wachsende Personalknappheit gefährdet schon bald Versorgung

Berlin. Die wirtschaftliche Lage deutscher Krankenhäuser war im Jahr 2016 besser als im Vorjahr. Nur 7 Prozent lagen im „roten Bereich“ mit erhöhter Insolvenzgefahr, 84 Prozent befänden sich im grünen Bereich, konstatiert der „Krankenhaus Rating Report“, der im Rahmen des „Hauptstadtkongress 2018 – Medizin und Gesundheit“ in Berlin der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Er wurde gemeinsam vom RWI und der Institute for Healthcare Business GmbH (hcb) in Kooperation mit Deloitte erstellt. 

Die Ertragslage sei 2016 ebenfalls gut gewesen: Nur 13 Prozent der Krankenhäuser schrieben auf Konzernebene einen Jahresverlust. Das durchschnittliche Jahresergebnis stieg auf 2,8 Prozent der Erlöse, nach 1,8 Prozent im Jahr 2015. Im Jahr 2016 seien zudem 67 Prozent der Kliniken voll investitionsfähig gewesen. Trotz guter Ertragslage bleibe die Kapitalausstattung der Krankenhäuser aber weiterhin unzureichend. Ihr jährlicher Investitionsbedarf (ohne Universitätskliniken) belaufe sich auf rund 5,8 Milliarden Euro. Dem stünden Fördermittel der Bundesländer in Höhe von 2,8 Milliarden Euro gegenüber, die jährliche Förderlücke betrage also 3 Milliarden Euro.

Eine noch größere Herausforderung stellt die abnehmende Zahl verfügbarer Fachkräfte dar, die zu einer Rationierung von Leistungen führen könnte. Unter anderem Innovationen im Bereich der Digitalisierung und Robotik könnten helfen, dem entgegenzuwirken.

In den ostdeutschen Bundesländern war laut dem Report die wirtschaftliche Lage der Krankenhäuser auch im Jahr 2016 wieder am besten. Am schwierigsten war sie in Niedersachsen/Bremen, Bayern, Hessen und Baden-Württemberg. „Die Krankenhausstrukturen sind nach wie vor in einigen Regionen ungünstig, es gibt eine hohe Standortdichte, viele kleine Einheiten und eine geringe Spezialisierung. Allerdings zeigt sich inzwischen eine positive Dynamik, unter anderem entfacht durch den Strukturfonds“, so Dr. Sebastian Krolop, Leiter Life Sciences & Health Care bei Deloitte.

Die Krankenhauskapazitäten haben sich 2016 gegenüber dem Vorjahr nur wenig verändert. Die Zahl der Krankenhäuser sank um 0,3 Prozent auf 1 951. Die durchschnittliche Verweildauer der Patientinnen und Patienten sank weiter auf unter 7,3 Tage, die Fallzahl stieg um 1,5 Prozent.

Erstmals wurden im diesjährigen „Krankenhaus Rating Report“ Daten der Initiative Qualitätsmedizin (IQM) analysiert. Als Qualitätsmaß wird auf die (standardisierte) Sterblichkeitsrate zurückgegriffen. Bei kleinen Fallzahlen waren die Ausschläge dieses Maßes sowohl nach oben als auch nach unten deutlich stärker als bei größeren Fallzahlen. Das deute darauf hin, dass in kleinen Einrichtungen ein gutes oder schlechtes Ergebnis eher dem Zufall geschuldet sei, so die Schlussfolgerung. Die kleinste Fallzahlkategorie habe außerdem manchmal, jedoch nicht immer, einen im Durchschnitt schlechteren Wert als alle anderen Fallzahlkategorien.

In den vergangenen 25 Jahren sei es gelungen, den Personalbestand im Krankenhaus der Leistungsmenge anzupassen. Durch den demografischen Wandel werde in den nächsten Jahren die Zahl der Patienten und pflegebedürftigen Menschen aber weiter steigen, so dass bei Fortschreibung des Status quo bis 2025 voraussichtlich zusätzlich 80.000 Vollkräfte in den medizinischen Diensten der Krankenhäuser und weitere 80.000 Pflegefachkräfte in der Altenpflege benötigt würden. Gleichzeitig werde aber die Zahl der Personen zwischen 20 und 65 Jahren kontinuierlich sinken, im Zeitraum von 2015 bis 2025 um 4 Prozent.

Entsprechend nehme der Engpass an Fachkräften deutlich zu und es werde äußerst schwierig werden, den Personalbestand weiterhin in ausreichendem Maße mit der Leistungsmenge anheben zu können. „Arbeitssparende technische Innovationen werden immer wichtiger, um Ärzte und Pflegekräfte zu entlasten“, sagte Prof. Dr. Boris Augurzky, Leiter des RWI-Kompetenzbereichs „Gesundheit“. „Darunter fallen zum Beispiel Innovationen aus den Bereichen Digitalisierung, künstliche Intelligenz, Robotikassistenz, Sensorik, Ambient Assisted Living und Telemedizin. Der derzeitige Digitalisierungsgrad deutscher Krankenhäuser ist dabei noch äußerst bescheiden“, so Augurzky.

Zudem sollte das Angebot an Pflegefachkräften erhöht werden. Dazu müsse mehr Nachwuchs für den Beruf gewonnen, die Anzahl der Berufsrückkehrer erhöht, die Wochenarbeitszeit von Teilzeitkräften ausgeweitet und qualifizierte Zuwanderung forciert werden.

Empfohlen werden die Erarbeitung eines Zuwanderungsgesetzes erarbeitet, Steigerung der Attraktivität der Ausbildung und generell der Gesundheitsberufe, interessante Karrierewege für Pflegeberufe sowie Schaffung neuer Berufsbilder, das Aufbrechen der starren hierarchischen Strukturen sowie der Abbau bürokratische Tätigkeiten. Die zunehmende Knappheit an qualifizierten Fachkräften werde außerdem zwangsläufig zu einem höheren Lohnniveau führen. Ferner gelte es, die Ambulantisierung der Medizin über Anpassungen am Vergütungssystem zu unterstützen, um auf diese Weise mehr Zeit für die Betreuung stationärer Patienten zu gewinnen.

Einerseits sieht die aktuelle Regierungskoalition einige Maßnahmen vor, die geeignet sind, dieses Bemühen zu unterstützen. Andererseits beabsichtigt sie, durch regulierende Maßnahmen im Bereich der Pflege die Personalknappheit sogar noch zu verschärfen, beispielsweise durch die Einführung von Personaluntergrenzen in Krankenhäusern.

Ihre Hausaufgaben für die Politik bündeln die Autoren der Studie in einer Gesundheitsagenda 2025. Gefordert werden

  • Antworten auf den zu erwartenden weiter wachsenden Fachkräftemangel.
  • Überführung des Gesundheitswesens in das digitale Zeitalter überführt werden, u.a. durch eine standardisierte elektronische Patientenakte, Telemedizin, künstliche Intelligenz und Robotik.
  • Reform des Gemeinsamen Bundesausschusses, um das Gesundheitswesen offener für Innovationen zu machen
  • Schließung der Lücke bei den Investitionsfördermitteln im Krankenhausbereich.
  • Neuausrichtung der Notfallversorgung einschließlich einer effektiven Patientensteuerung
  • Konsequenter Ausbau der Qualitätstransparenz – auch und gerade sektorenübergreifend
  • Förderung der sektorenübergreifenden Versorgung
  • Förderung der Ambulantisierung der Medizin (mitAdjustierungen am Vergütungssyste)
  • Empfohlen werden Vergütungsmodelle mit Qualitätszielen, welche die Gesamtverantwortung für die Versorgung einer Region in eine Hand legen
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