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120. Deutscher Ärztetag kritisiert „überbordende Ökonomisierung“

Freiburg. Um Bedarfsgerechtigkeit in der Patientenversorgung zu erlangen, sei eine grundlegende Reform der Betriebskostenfinanzierung im Krankenhaus notwendig, stellte der 120. Deutsche Ärztetag in Freiburg fest. Die hiesige Ausgestaltung des DRG-Systems habe „in eine Sackgasse“ geführt. Kostensenkung, Stellenabbau, Arbeitshetze und die Unterversorgung nicht lukrativer Patientengruppen seien unausweichlich.


Als weiteren Schritt gegen die „überbordende Ökonomisierung“ der ärztlichen Tätigkeit im Krankenhaus wurde eine Stärkung der Position des Ärztlichen Direktors angeregt. An die Krankenhausträger erging die Forderung, Fehlanreize durch vorrangig ökonomisch motivierte Zielvorgaben zu vermeiden und Ärzte nicht durch solche Vorgaben unter Druck zu setzen.
Mit einer „aktiven Pause“ will der Deutsche Ärztetag auf Fehlentwicklungen wie die Trivialisierung und Entwertung des ärztlichen Berufsbilds aufmerksam machen. Unter Regie der Bundesärztekammer sollen alle in Deutschland tätigen Ärzte in einer konzertierten Aktion ihre Arbeit unterbrechen. Der Ärztetag wandte sich gegen jede ökonomistische und funktionale Verengung des Arztberufs als „Dienstleister“, „Reparateur“ oder „Unternehmer“.
Gefordert wurde vom Ärztetag auch ein konsequenter Ausbau sektorenübergreifender Notfallversorgungsstrukturen. Dies müsse in Kooperation zwischen Kliniken und Praxen erfolgen und sektorenübergreifend extrabudgetär finanziert werden. Konkret forderten die Delegierten, Notfallpraxen, beziehungsweise Bereitschaftspraxen an dafür geeigneten Kliniken, als Anlaufstellen zu schaffen. Im Rahmen des vertragsärztlichen Bereitschaftsdienstes könnten Patienten dort ambulant versorgt und bei Bedarf an die stationären Notaufnahmen weitergeleitet werden.
Zudem riefen die Delegierten die Städte, Kreise und Kommunen dazu auf, ihren Auftrag zur Daseinsvorsorge ernst zu nehmen und ausreichend Ressourcen zur Verfügung zu stellen. In gleicher Weise forderte der Ärztetag die Kassenärztlichen Vereinigungen auf, den gesetzlichen Sicherstellungsauftrag für die ambulante Notfallversorgung unter der Berücksichtigung regionaler oder lokaler Anforderungen so zu erfüllen, dass die Kliniken von der ambulanten Notfallversorgung spürbar entlastet werden.
Der 120. Deutsche Ärztetag sprach sich klar für Modelle der Übertragung ärztlicher Aufgaben nach dem Delegationsprinzip aus, lehnte aber die Substitution ärztlicher Leistungen durch nicht-ärztliche Gesundheitsberufe wiederum klar ab. Konkret unterstützen die Delegierten das von der Bundesärztekammer (BÄK) und der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) erstellte Delegationsmodell „Physician Assistant – ein neuer Beruf im deutschen Gesundheitswesen“.
Der Ärztetag hat sich auch für die Entwicklung neuer Konzepte zur Sicherstellung der hausärztlichen Versorgung ausgesprochen. Hausärztlich geleitete interprofessionelle Praxisteams stellten eine Möglichkeit dar, die Praxisstrukturen breiter aufzustellen und andere Berufsgruppen stärker als bisher und zugleich koordiniert in die Versorgung einzubeziehen. Der Ärztetag forderte die Bundesärztekammer auf, hierzu ein Konzept zu erarbeiten. Leitgedanken dabei sollten eine stärkere Ausrichtung der hausärztlichen Versorgung auf die Behandlung chronisch kranker Patienten sowie auf Prävention und Rehabilitation sein.





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