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Krankenhaus Rating Report 2017: Lage der Kliniken leicht verschlechtert

Berlin. Die wirtschaftliche Lage deutscher Krankenhäuser war im Jahr 2015 ein wenig  schlechter als im Vorjahr, aber besser als 2012. Neun Prozent lagen im „roten Bereich“ mit erhöhter Insolvenzgefahr, die Ertragslage blieb praktisch unverändert. Das weist der aktuelle Krankenhaus Rating Report 2017 RWI-Leibnitz-Instituts für Wirtschaftsforschung und der Institute for Healthcare Business GmbH (hcb) in Kooperation mit Deloitte aus, der im Rahmen des Hauptstadtkongresses „Medizin und Gesundheit“ in Berlin vorgestellt wurde. 

Der von 2016 bis 2018 eingesetzte Krankenhausstrukturfonds habe bereits eine gewisse Dynamik zur Strukturoptimierung entfacht und werde gut angenommen, wird ebenfalls konstatiert. Insgesamt entfielen 75 Prozent des Antragsvolumens auf Konzentrationsmaßnahmen und 22 Prozent auf Kapazitätsabbau. Die Empfehlung: Bei nachweislich guten Ergebnissen sollte er über das Jahr 2018 hinaus fortgesetzt werden. Innovationen im Bereich der Digitalisierung und Robotik könnten helfen, den demografischen Wandel zu bewältigen und mit weniger werdendem Fachpersonal steigende Patientenzahlen zu versorgen. Allerdings seien die eingebrachten Anträge noch genauer zu evaluieren. Um eine ideale Krankenhausstruktur zu erreichen, seien insgesamt voraussichtlich rund 12 Milliarden Euro Investitionsmittel nötig, so Prof. Dr. Boris Augurzky, Leiter des RWI-Kompetenzbereichs „Gesundheit“. Bei einer Fortführung sollten die Mittel jedoch idealerweise aus Steuermitteln des Bundes mit Ko-Finanzierung der Länder kommen.

Neben den neun Prozent der Häuser im „roten Bereich“ mit erhöhter Insolvenzgefahr in 2015, lagen 12 Prozent im „gelben“ und 79 Prozent im „grünen Bereich“. Auf Konzernebene schrieben 21 Prozent der Krankenhäuser einen Jahresverlust. Im Jahr 2015 waren zudem 63 Prozent der Kliniken investitionsfähig, so der Report. Die Kapitalausstattung der Krankenhäuser sei jedoch noch immer unzureichend. Ihr jährlicher Investitionsbedarf (ohne Universitätskliniken) belaufe sich auf mindestens 5,4 Milliarden Euro. Da die Bundesländer im Jahr 2015 Fördermittel in Höhe von 2,8 Milliarden Euro zur Verfügung gestellt hätten, ergebe sich eine jährliche Förderlücke von mindestens 2,6 Milliarden Euro.

Auch 2015 sei die wirtschaftliche Lage der ostdeutschen Krankenhäuser wieder am besten gewesen. Am schwierigsten sei sie in Bayern, Niedersachsen/ Bremen, Hessen und Baden-Württemberg. Gründe werden in ungünstigen Krankenhausstrukturen einigen Regionen mit zu kleinen Einrichtungen, einer zu hohe Krankenhausdichte und zu wenig Spezialisierung.
 
Wie der Report zeigt, haben sich die Krankenhauskapazitäten gegenüber dem Vorjahr nur wenig verändert. Die Zahl der Betten fiel aber erstmals unter 500 000. Die Zahl der Krankenhäuser verringerte sich um 1,2 Prozent auf 1956. Die durchschnittliche Verweildauer der Patienten sank weiter auf 7,3 Tage. Das Casemixvolumen der Krankenhäuser stieg 2015 um 1,5 Prozent und die Zahl der Krankenhausfälle nahm um 0,5 Prozent zu. Am stärksten seien die Fallzahlen zwischen 2012 und 2014 in mittelgroßen Krankenhäusern, in freigemeinnütziger Trägerschaft, in städtischen Gebieten und in Krankenhäusern mit höherer Patientenzufriedenheit gestiegen, so die Studie.
 
Die Prognose: In den nächsten Jahren sind die geodemografische Entwicklung und die steigende Innovationsdichte zwei zentrale Trends in der Gesundheitsversorgung. Die Alterung der Gesellschaft werde zu mehr Patienten und überproportional steigenden Gesundheitsausgaben führen. Zudem werde mit der Zahl der jüngeren Menschen die der Erwerbspersonen sinken mit der Folge einer anwachsenden Finanzierungslücke in der Gesetzlichen Krankenversicherung. Darüber hinaus werde die Zahl der Fachkräfte in allen Branchen sinken. Daher dürften die Lohnkosten stärker steigen als die Preise für Gesundheitsleistungen.
 
Die Autoren des Krankenhausreports schlagen vor, um der zunehmenden Alterung der Gesellschaft entgegenzuwirken sollte die Nachfrage pro Kopf reduziert werden, etwa durch Prävention, effektivere Patientensteuerung, mehr Versorgungsforschung und entsprechende Anpassungen am Vergütungssystem. Notwendig sei ebenfalls eine Steigerung der Poduktivität durch weitere Strukturoptimierungen und Bildung integrierter Gesundheitszentren. gebildet werden. Effizienzsteigernde Innovationen sollten einen guten Zugang zum Gesundheitswesen erhalten und Investitionsmittel für effizienzsteigernde Maßnahme zur Verfügung gestellt werden. Vor allem eine elektronische Patientenakte könne sowohl nachfragemindernde als auch produktivitätssteigernde Effekte haben. Es würden aber auch mehr personelle und finanzielle Ressourcen benötigt. Es gelte außerdem, neue Berufsbilder zu schaffen und die Attraktivität des Pflegeberufs zu erhöhen, z.B. durch attraktive Karrieremöglichkeiten.
 
Eine Gesundheitsagenda 2025 für die nächsten zwei Legislaturperioden sollte aus Sicht der Studienautoren folgende Ziele haben: eine nationale Modernisierungsstrategie (u.a. Digitalisierung, Künstliche Intelligenz, Robotik, Assistenzsysteme, elektronische Patientenakte, Fernbehandlung), die Stärkung der sektorenübergreifenden Versorgung (vor allem in der Notfallversorgung), die Sicherung des Fachkräfteangebots für das Gesundheitswesen, eine höhere Priorität für Investitionen und die Förderung der Souveränität und Eigenverantwortlichkeit der Patienten.

Der Report basiert auf einer Stichprobe von 506 Jahresabschlüssen aus dem Jahr 2014 und 201 Abschlüssen auf dem Jahr 2015. Sie umfassen insgesamt 877 Krankenhäuser.





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