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Der Gewinn für die Gesellschaft

Vielerorts wird in diesen Zeiten eine Debatte um knappe Ressourcen im Gesundheitswesen geführt und welchen Beitrag Ökonomie zur Behebung dieses Problems leisten kann. In den meisten Fällen greift die Debatte zu kurz. 

Die Debatte greift zu kurz, weil sie zwei Aspekte vermischt, die nicht vermischt werden sollten: Wirtschaftlichkeit und Gewinnstreben. Und weil sie ein Rechtsgut verletzt, welches dem Vergleich mit jedem Wirtschaftsgut aus guten Gründen entzogen ist. Denn es ist unantastbar!

Die Rede ist, um bei Letzterem zu beginnen, von der Menschenwürde. Sie ist durch Artikel eins des Grundgesetzes jeglichem Vergleich und jeglicher Subsumierung entzogen! Die Gesundheit eines Menschen ist nicht ökonomisierbar! So und nicht anders muss die apodiktische Konsequenz dieser höchsten, weil ersten Verfassungsvorschrift im Grundgesetz der Bundesrepublik lauten. Noch nicht einmal siebzig Jahre ist es her, dass in Deutschland politisch und durch Verwaltungsakte festgelegt wurde, welchen (nämlich einen zu geringen) Wert manches Leben habe. Auf eben jene Konsequenz läuft hinaus, was auch der Autor eines Essays in der Süddeutschen Zeitung vom 31. Januar („Der Preis der Gesundheit“) beschreibt: die Unterordnung gesundheitlicher Belange unter das Diktat des unternehmerischen Gewinnstrebens. 

Dieses nämlich, weil es aus Sicht des einzelnen, privaten Eigentümers erfolgt, muss einen Anteil für Risiko und Gewinn enthalten. Und der ist immer und ausschließlich subjektiv begründet. In dem Beitrag wird der Kaufpreis von 11 Milliarden Dollar für ein Unternehmen als Rechtfertigung für Arzneimittelpreisfestlegung herangezogen. Ohne jede objektive Grundlage. 

Lassen wir uns nicht täuschen: Die Aspekte, die im Gesundheitswesen zunehmend vermischt werden, sind jener des (privaten) Gewinnstrebens und der  "Wirtschaftlichkeit" im objektiven Sinne einer möglichst sparsamen Mittelverwendung. Beide haben nichts miteinander zu tun. Und privates Gewinnstreben hat im Gesundheitswesen keinen Platz! 

Wohlgemerkt: privates Gewinnstreben! Unverzichtbar ist dagegen privates Engagement und Initiative! Eine staatliche Lenkung im engen, starren Sinne ist der Tod (!) eines modernen Gesundheitswesens. Private, innovative und karitative Initiative ist das Lebenselixir, welches sowohl in den Heilberufen als auch den zur Erbringung medizinischer Leistungen "am Nächsten" strukturell notwendigen Institutionen unverzichtbar ist. 

Menschen, die sich in diesen Dienst investieren (und sei es in Form ihres Kapitals) muss das Risiko der Existenzabsicherung genommen werden. Durch angemessene Vergütung und auch durch Erstattung der Kosten für die Erbringung ihrer Leistungen. Doch ein darüber hinaus gehendes, "marktübliches" Gewinnstreben ist zu untersagen! Die Gesundheit ist ein individuelles und gesellschaftliches Gut, aber keine Handelsware!

Open Source ist ein Prinzip in der Informationstechnik, was den Wert betont, der gemeinschaftlich nutzbar wird, wenn private Entwicklungen der Allgemeinheit zur Verfügung stehen, ohne dass ein privates Patent, Monopol oder Kartell den Zugang limitiert. Wir benötigen im Gesundheitswesen einen ähnlichen "Open Source"-Ansatz. Die Probleme des Gesundheitswesens werden nicht durch materielles Gewinnstreben gelöst. Denn dieses ist nur für einen kleinen Teil der dort Tätigen die treibende Kraft. Anerkennung, Nächstenliebe oder schlichte gesellschaftliche Vernunft sind mindestens ebenso wichtige und produktive Motivatoren für den größeren. Wir brauchen einen Geist der gemeinschaftlichen Lastenteilung im Gesundheitswesen. Das an sich ist der Gewinn, den wir anstreben. Es ist ein Gewinn für die Gesellschaft!

 

Der Text ist die nur leicht redigierte Fassung einer Erwiderung an die Süddeutsche Zeitung. 

 





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