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Generalistische Pflegeausbildung - Für und Wider

Berlin. Ende November wurde der Referentenentwurf für eine Generalisierte Pflegeausbildung veröffentlicht. Während Caritas, Diakonie und Verbände der Krankenpflege den Entwurf begrüßten, wurde er im Bereich der Alten- und Kinderkrankenpflege heftig kritisiert. Der Referentenentwurf sieht eine gemeinsame Pflegeausbildung für sämtliche Pflegeberufe vor. Ziel ist u.a. der flexible Wechsel von Fachkräften zwischen den verschiedenen Tätigkeitsfeldern. Die Hoffnung der Befürworter ist zudem, dass damit auch die Attraktivität des Pflegeberufs insgesamt verbessert und damit dem Fachkräftemangel entgegen gewirkt wird. Der neue Berufsabschluss sichere außerdem die Anerkennung des Berufsabschlusses in den Mitgliedstaaten der EU.

Deutschland habe mit dem Altenpflegeberuf schon vor Jahren einen Beruf geschaffen, der aufgrund seiner speziellen Ausbildungsinhalte hervorragend auf die Pflege von Älteren, besonders auch demenzkranken Menschen, abgestimmt sei und inzwischen weltweit von Fachleuten als vorbildlich angesehen werde. Die Neuordnung der Pflegeberufe werde die pflegerisch-medizinische Versorgung in der Bundesrepublik Deutschland nachhaltig verändern, das müsse diskutiert werden, fordert dagegen Prof. R.D. Hirsch, Präsident der Deutschen Akademie für Gerontopsychiatrie und –psychotherapie e.V. (DAGPP). Er verweist darauf, dass die zuständigen Bundes- und Landesministerien seit Jahren dabei sind, dieses Gesetz zu erarbeiten. Die Experten und Fachgesellschaften mit einer Frist von zwei Wochen zu einer fundierten Stellungnahme eines 113 Seiten starken Gesetzestextes aufzufordern, sei ein Skandal und verhindere, dass fundierte Positionen dazu vertreten würden.
„Für die pflegerische Versorgung von psychisch kranken Älteren, insbesondere Menschen mit Demenz, wird qualifiziertes Personal in ausreichendem Umfang insbesondere in den Heimen benötigt. AltenpflegerInnen sind durch ihre Ausbildung im besonderen Maße darauf vorbereitet“, betont Hirsch. Schon heute fehlten mehrere zehntausend AltenpflegerInnen in den Heimen, Einrichtungen und ambulanten Diensten. Aktuelle Studien zeigten, dass die geplante generalistische Ausbildung zu weniger Auszubildenden führen werde. Zusätzlich kämen nach Einführung der Generalistik keine qualifiziert auf ihre Tätigkeit vorbereiteten Altenpflegerinnen und Altenpfleger mehr hinzu, um ihre jetzt schon hoch belasteten KollegInnen zu entlasten. Stattdessen würden die neuen Pflegefachfrauen und -männer weiter angeleitet werden müssen und so die Belastung für das Personal insgesamt erhöhen.
„Zum Schutz der PflegerInnen in den Heimen und der ihnen anvertrauten Patienten lehnen die Deutsche Akademie für Gerontopsychiatrie und –psychotherapie e.V. (DAGPP) und Handeln statt Mißhandeln - Bonner Initiative gegen Gewalt im Alter e.V. (HsM) gemeinsam den vorgelegten Gesetzentwurf ab.“
„Die Ersatzkassen begrüßen, dass der Gesetzgeber dem Fachkräftemangel im Pflegebereich entgegenwirken und die Pflegeberufsausbildung den sich wandelnden Berufsanforderungen anpassen will“, erklärte wiederum Ulrike Elsner, Vorstandsvorsitzende des Verbandes der Ersatzkassen e. V. (vdek), anlässlich der Fachanhörung zum geplanten Pflegeberufereformgesetz (PflBRefG) im Bundesarbeitsministerium. Das Gesetz biete die Chance, die Attraktivität des Berufsbildes für den Nachwuchs zu erhöhen und den Verbleib im Pflegeberuf zu befördern. Damit könne es dazu beitragen, der steigenden Nachfrage an Fachkräften gerecht zu werden.

Ob die vorgesehene Zusammenführung der bisherigen Ausbildungen Kranken-, Kinderkranken- und Altenpfleger in eine generalistische Ausbildung zum Pflegefachmann bzw. zur Pflegefachfrau die gewünschten Ergebnisse erzielt, werde jedoch wesentlich von der Gestaltung der Ausbildungsinhalte abhängen, so Elsner. Wichtig sei, dass durch die Generalistik kein Bereich der Pflege geschwächt werde. Gerade in Pflegeeinrichtungen steige der Bedarf an Fachkräften stark. Die Reform dürfe nicht dazu führen, dass die Gewinnung von qualifiziertem Personal in diesen Einrichtungen erschwert werde.





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